Feldmarschall Gerd von Rundstedt hat heute Geburtstag. Entstammend aus einer altpreußischen Soldatenfamilie wurde er 1875 in Aschersleben geboren und schlug als echter Sproß seines Hauses die kriegerische Laufbahn ein. Im Vierjährigen Krieg sehen wir ihn schon als Generalstabsoffizier. Dem Kriegshandwerk blieb er auch in den dunklen Jahren der Novemberverbrecher treu und konnte daher beim Aufbau unserer neuen deutschen Wehrmacht mithelfen, als diese endlich gestürzt worden sind. Aus dem Ruhestand kehrte er zurück und führte unsere Heeresgruppe Süd zum Sieg über die Polen. Die Schlachten von Radom und an der Bzura sind hierbei ebenso erwähnenswert wie der schnelle Einnahme der polnischen Hauptstadt Warschau. Gerade einmal einen Monat hielten die Polen stand. Im Kampf gegen die Gallier und Engländer führte er unsere Heeresgruppe A an und innerhalb von nur sechs Wochen waren die Gallier besiegt und die Engländer vom Festland vertrieben. Die zweite Schlacht von Sedan, der Durchbruch durch die gallische Front ist hierbei besonders bemerkenswert. Taktisch hat diese übrigens unser Panzerheinz Guderian geschlagen. Als nächstes führte unser Feldmarschall von Rundstedt unsere Heeresgruppe Süd gegen die Russen in die Schlacht. Die Folge waren die siegreichen Schlachten von Uman und Kiew, wobei ihm bei Kiew erneut unser Panzerheinz Guderian geholfen hat. Auf seine Abberufung im Osten folgte schnell seine neuerliche Berufung zum Oberbefehlshaber im Westen. Hier schlug er den Angriff der Amerikaner und Engländer bei Dieppe ab, kämpfte gegen diese in der Normandie, wurde kurzzeitig als Oberbefehlshaber abgesetzt, brachte bei seiner Rückkehr das Unternehmen Marktgarten, des alten Scheißhauses Montys Versuch die Brücke von Arnheim zu erobern, zu Fall und führte unseren letzten Angriff im Westen, die Ardennenoffensive. Die Größe der Leistung, unsere Westfront, nach der verlorenen Hauptschlacht in der Normandie, die uns 40 unserer 50 Divisionen im Westen gekostet hatte, wieder standhaft gemacht zu haben, sollte man nicht unterschätzen. Man denke hier an die Gallier im Jahre 1940, die das mit 70 verbliebenen Divisionen nicht vermocht haben. Daher bekommt unser Feldmarschall Gerd von Rundstedt von mir zum Geburtstag den Marsch Preußens Gloria: https://www.youtube.com/watch?v=-TEGPelS3Ac Als Schüler der preußischen Kriegsschule, die Friedrich der Große und sein Vater, der Soldatenkönig, begründet haben. Unser Feldmarschall Erich von Manstein hat das Wesen seines ehemaligen Feldherrn, dem er als Generalstabschef diente, in seinen Verlorenen Siegen preußisch knapp geschildert:

„Er war ein operativ glänzend begabter Soldat. Er erfaßte alles Wesentliche sofort und gab sich auch ausschließlich mit dem Wesentlichen ab. Alles Drum und Dran war ihm völlig gleichgültig. Persönlich war er das, was man einen Kavalier der alten Schule zu nennen pflegt. Ein Stil, der leider Aussterben begriffen ist und der einst das Leben um eine liebenswürdige Variante bereicherte. Der Generaloberst hatte Charme. Diesem Charme erlag sogar Hitler. Zu dem Generalobersten hatte er eine anscheinend echte Zuneigung gefaßt und überraschenderweise blieb ein Schimmer dieser Zuneigung auch dann noch erhalten, als er ihn zweimal weggeschickt hatte. Wahrscheinlich reagierte Hitler bei Rundstedt noch auf den unwägbaren Eindruck eines Mannes aus verflossenen, ihm nicht verständlichen Zeiten, zu deren innerer und äußerer Atmosphäre er niemals Zugang hatte.“

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Auch ich möchte dem Schwedenkönig Gustav Adolph an seinem heutigen Geburtstag – laut Julianischem Kalender – meine Ehrerbietung bekunden. Der Löwe aus Mitternacht wurde 1594 in Stockholm geboren. Regiert hat er Schweden von 1611 bis 1632. Sein Eingreifen in 30jährigen deutschen Bürgerkrieg verhinderte den Sieg der katholischen Sache und rettete das Luthertum vor der Ausrottung. Legendär sind auch sein Sieg bei Breitenfeld über das habsburgische Heer und sein Heldentod in der Schlacht bei Lützen. Seinem Feldzug in Deutschland hat unser preußischer Kriegsphilosoph Carl von Clausewitz eine seiner strategischen Betrachtungen gewidmet und aus dieser lese ich nun ein Stück zu Ehren des Schwedenkönigs vor: https://archive.org/details/bub_gb_5ZxDAAAAcAAJ

„Die Gründe, welche Gustav Adolph zur Teilnahme an dem dreißigjährigen Krieg veranlaßten, sind hinlänglich bekannt und seine Politik in dieser Hinsicht vor den Augen der Nachwelt hinreichend gerechtfertigt. Äußerst interessant aber und vielleicht nicht genug beachtet ist das Räsonnement, welches man damals in Schweden über die Natur dieses Krieges anstellte. Für die Verteidigung entwickelten der Kanzler Oxenstierna und ein Teil der schwedischen Reichsräte folgende Gründe: I. Der Kaiser und die Liga hätten eine Armee von 150,000 Mann, mit welcher sich gar nicht vergleichen ließe, was Schweden an Truppen aufzubringen im Stande sei. II. Dem Kaiser stehe keine Flotte zu Gebot, er könne also die Schweden nur in dem von ihnen besetzten Preußen angreifen, und hier sei es ihnen leicht, sich das Übergewicht physischer Kräfte zu sichern. III. Deutschland, der Kriegsschauplatz im Fall einer Offensive, scheine durch Ferdinands Truppen schon an Kräften aller Art gänzlich erschöpft. IV. Die schwedische Nation würde sehr unzufrieden darüber sein, wenn man mit Polen bloß deswegen einen Vertrag geschlossen, um sogleich einen neuen Krieg anzufangen. V. Schweden sei durch die bisherigen Kriege entvölkert. VI. Gustav Adolph könne in Deutschland keine Fortschritte machen, ohne sich nach und nach der Nieder-Weser, Elbe und Oder zu versichern, worüber er sich den König von Dänemark und die Holländer zu Feinden machen würde, sobald ihr Handel darunter litte. VII. Im Fall der Offensive würden zwei Armeen nötig sein, die eine, um Schweden nötigenfalls gegen die Dänen und Russen zu verteidigen, die andere zur Offensive in Deutschland. Die letztere könne nicht wohl unter 15,000 Mann Infanterie und 9000 Mann Kavallerie betragen, weil es nicht ratsam sei, mit zu wenig Truppen zu landen, wobei man Gefahr laufe, gleich Anfangs vernichtet zu werden, ehe man noch irgend eine Stütze in seinen Eroberungen oder geschlossenen Verträgen gefunden habe. VIII. Könne man sich bei der politischen Auflösung, in welcher sich Deutschland befinde, und den Umständen, welche in den übrigen Reichen obwalteten, auf keinen sichern und kräftigen Beistand der Bundesgenossen verlassen. Unstreitig ist nie eine Meinung für den Verteidigungskrieg mit besseren Gründen unterstützt worden. Um so begieriger ist man, die Gründe zu hören, welche, siegreich gegen die oben angeführten aufgestellt, mit Recht für die Offensive entschieden. Der König führte zu Gunsten des Angriffs hauptsächlich Folgendes an: I. Die Reichsstädte und einige andere deutsche Provinzen und Staaten, welche noch wenig gelitten hätten, würden jedem, der zu ihrer Befreiung erschiene, ihren Beistand nicht versagen. Das Interesse, welches auswärtige Mächte daran nehmen müßten, den Kaiser von seiner Übermacht heruntergebracht zu sehen, sei zu groß, um nicht von ihnen einen tätigen Beistand erwarten zu dürfen. Eben diese Betrachtung beruhige über einen Angriff auf Schweden, der wenigstens vor der Hand dadurch sehr unwahrscheinlich werde. II. Der Mangel mache in Preußen eine jede Unternehmung so schwierig, daß man einstweilen daselbst gar keiner Armee bedürfe. III. Die Sicherheit gegen eine Landung hänge von der Aktivität der Flotte ab. Wäre diese geschlagen oder durch widrige Winde zerstreut, so sei eine Landung um so eher zu befürchten, als die Spanier zur See dem Kaiser Beistand leisten konnten. IV. Der Beistand, welchen Schweden von andern Mächten erwarten dürfe, hänge von dem Erfolge seiner Waffen ab. Eine kräftige Offensive, mit Glück durchgesetzt, müsse dem Könige notwendig eine Menge Mittel an die Hand geben, den Krieg fortzusetzen. V. Stralsund, ein für Schweden so unendlich wichtiger Platz, wegen der Herrschaft auf dem baltischen Meere und auch der deutschen Küste, lasse sich nur durch die Offensive erhalten. VI. Schweden müsse bei einem Defensivkriege viel mehr leiden als in der Offensive. Diesen Gründen Gustav Adolphs fügten die schwedischen Senatoren noch folgende hinzu: VII. Daß der Kaiser sich stets als Feind Schwedens gezeigt habe, und daß es also ein sehr wichtiger Gegenstand der schwedischen Politik sei, seine Macht zu schwächen. VIII. Daß nicht bloß Stralsund, sondern auch Wismar und die Insel Rügen sehr wichtige Besitzungen für Schweden sein würden, um den Kaiser um so mehr von dem baltischen Meere zu entfernen. IX. Daß, sobald die Österreicher sich zu Herren von Stralsund machten, die Holländer alles anwenden würden, es ihnen wieder zu entziehen, und daß Diese, im Fall sie darin glücklich wären, natürliche Feinde von Schweden werden würden, welches nie zugeben dürfe, daß die Holländer an der baltischen Küste Etablissements bildeten. X. Daß eine in Deutschland verlorene Armee Schweden in seiner Verteidigung nicht wesentlich schwächen würde, weil dasselbe noch dreißig große Schiffe und die Landmiliz übrig behielte. XI. Endlich daß Schweden, wenn es seine Alliierten, die Protestanten und die Herzöge von Mecklenburg und Pommern, im Stich ließe, alle seine Achtung in Europa verlieren würde. Es ist unmöglich, sich aller Bemerkungen über diese gegenseitigen Gründe zu enthalten: Erstlich erstaunt man über die richtige und unbefangene Ansicht des schwedischen Senats und der Reichsversammlung, da man von Versammlungen dergleichen gar nicht gewohnt ist. Dies deutet auf lichtvolle Köpfe unter den einzelnen Gliedern und auf einen Geist des Ganzen hin, in welchem sich reiner Patriotismus und edler Nationalstolz aussprechen, und durch welchen diese Versammlung noch der späten Nachwelt ehrwürdig wird. Zweitens veranlaßt die obige Gegeneinanderstellung der Gründe für und wider die Offensive die Bemerkung, daß selten ein militärisches Räsonnement so fest in seinen Grundpfeilern ruht, daß es nicht verrückt und an seine Stelle ein anderes Resultat gesetzt werden könnte. So siegreich auch die Gründe für die Offensive scheinen, so möchte es doch in der Tat nicht schwer sein aus ihnen auf ähnliche Art wieder Gründe für die Defensive zu demonstrieren. Doch einige stehen ganz unumstößlich fest, vornehmlich der letzte, daß Schweden, wenn es seine Alliierten im Stich ließe, alle Achtung in Europa verlieren würde. Wir sind daher geneigt diesen Grund für einen der gewichtigsten zu halten. Drittens halten wir uns überzeugt, daß die oben angeführten Gründe für die Offensive das Wenigste zu Gustav Adolphs Entschluß beigetragen haben; sondern daß das Bewußtsein seiner Größe, seiner militärischen Talente, das Verlangen nach großen Taten, endlich der Ehrgeiz, kurz alles das, was in der politischen Welt den großen Mann ausmacht, ihn längst bestimmt hatten.“

An unseren alten deutschen Kaiser Arnolf wollen wir, anläßlich seines heutigen Heimganges im Jahre 899, ein wenig erinnern. Der Karolinger saß von 887 bis 899 auf dem deutschen Thron. Dank seiner bayerischen Hausmacht und seinem hohen Ansehen konnte er sich im Nachfolgestreit, nach dem Sturz Karls des Dicken, leicht durchsetzen. Und auch gegen die äußeren Feinde wußte er rasch Abhilfe zu schaffen. So schlug er 891 die Wikinger an der Dijle vernichtend und führte ab 892 etliche Feldzüge gegen die nimmersatten Mährer. Auch nach Italien unternahm er 895 bis 896 eine Heerfahrt, durch die er die allgemeine Anerkennung seiner Herrschaft erreichte und zudem die römische Kaiserwürde erlangte. Im Jahre 888 heiratete er die Konradinerin Ute, mit der er den Sohn Ludwig hatte. Dieser wurde auch sein Nachfolger. Von Nebenfrauen hatte er die Söhne Zwentibold und Ratold und die Tochter Ellinrat. Bei unserem Geschichtsschreiber Regino von Prüm hören wir nun noch vom Sieg unseres Kaiser Arnolfs über die Normannen an der Dijle: https://archive.org/details/DieChronikDesAbtesReginoVonPrm

Die Nordmannen durch die beiden unmittelbar auf , einander folgenden Schlachten in Britannien sehr geschwächt, ziehen mit ihrer Flotte nach dem Reiche Lothars, schlagen dort ein Lager auf und machen Beute. Gegen sie schickt König Arnulf ein Heer und befiehlt diesem an der Maas die Zelte zu errichten und den Feinden den Übergang über den Fluß zu verwehren. Doch ehe das Heer an dem verabredeten Orte bei der Feste Utrecht sich versammeln konnte, setzten die Nordmannen, die das jenseitige Ufer inne hatten, bei Leodium über die Maas, ließen die feindlichen Scharen in ihrem Rücken und zerstreuen sich in den der Pfalz Aachen benachbarten Wäldern und Sümpfen; sie töten alle, die ihnen in die Hände fallen und nehmen sehr viele Wagen und Karren, auf welchen den Truppen Lebensmittel zugeführt wurden. Als das Gerücht hiervon zum Heere drang, welches an dem Tage des heiligen Johannes des Täufers fast vollständig beisammen war, ergriff nicht sowohl Zagen als vielmehr starre Verwunderung die Gemüter aller. Die Anführer aber berufen einen Kriegsrat und beratschlagen nicht über die Gefahr, sondern, worüber sie in Ungewißheit waren, ob jene durch das Gebiet der Ribuarier nach Köln marschieren oder über Prüm den Weg nach Trier einschlagen oder endlich aus Furcht vor der gegen sie versammelten Menge über die Maas setzen und zu ihrer Flotte eilen würden. Inzwischen machte der Einbruch der Nacht der Versammlung ein Ende. Am nächsten Tage, als die Morgenröte die Strahlen ihres Lichtes erglänzen ließ, legen alle die Waffen an und ziehen kampfbereit mit flatternden Fahnen den Lauf des Flusses hinab zur Schlacht. Und als sie einen Bach überschritten hatten, der Gulia heißt, machten ihre Abteilungen zu gleicher Zeit Halt; darauf beschließen sie, damit nicht das ganze Heer fruchtlos sich ermüdete, daß jeder der Hauptleute zwölf von den Seinigen ausläse, die zu einer Schar vereinigt die Feinde aufspüren sollten. Als sie noch hierüber verhandelten, erschienen plötzlich die Späher der Nordmannen. Da diesen die gesamte Mannschaft ohne die Führer zu fragen, in aufgelösten Gliedern nachsetzte, stößt sie in einem Dörfchen auf die Hausen des Fußvolks, die fest zusammenhaltend leicht die zerstreuten Angreifer zurücktreiben und zum Rückzuge zwingen. Hiernach rasseln sie, wie es ihre Sitte ist, mit den Köchern, erheben ein Geschrei gen Himmel und beginnen die Schlacht. Die normannischen Reiter, als sie den Lärmruf hören, fliegen mit der größten Eile herbei und indem der Kampf heißer wird, wendet das Heer der Christen leider, zur Strafe für seine Sünden, den Rücken. In diesem Treffen fielen Sunzo der Bischof der Stadt Mainz und der Graf Arnulf, sowie eine unzählige Menge anderer vornehmer Männer. Die Nordmannen nehmen nach errungenem Siege das mit Reichtümern aller Art angefüllte Lager ein, metzeln ihre Kriegsgefangenen nieder und kehren Beute beladen zur Flotte zurück. Diese Niederlage ereignete sich aber am 26. Juni. Während dies geschah, hielt sich König Arnulf an dem äußersten Ende von Bayern auf, um den Übermut der Slawen niederzuhalten; als diesem die Niedermetzlung seiner Leute und der Sieg der Feinde gemeldet wurde, betrübt er sich zuerst sehr heftig um den Verlust seiner Getreuen und beklagt es unter Seufzern, daß die bis dahin unüberwindlichen Franken ihren Gegnern den Rücken gewiesen hätten; dann, indem er die Schmach der Niederlage in mutiger Brust erwägt, entbrennt er in Wut gegen die Feinde, sammelt schnell ein Heer aus den östlichen Landen und schlägt bald nach Überschreitung des Rheins sein Lager an den Ufern der Maas auf. Einige Tage darauf ziehen die Nordmannen, durch die vorhergehende Schlacht kühn gemacht, mit gesamter Heeresmacht auf Plünderung aus; gegen sie rückt der König mit leichtbewaffneten Truppen zur Schlacht vor. Als sie seine Scharen herankommen sahen, befestigen sie sich an dem Flusse, der Dyle heißt, in gewohnter Weise durch aufgeworfene Schanzen von Holzwerk und Erde und reizen die Mannschaften durch Hohngelächter und Schimpfreden, indem sie ihnen mit Spott und Verhöhnung wiederholt zurufen, sie möchten der Gulia gedenken, der schmählichen Flucht und des von ihnen vollbrachten Blutbades, da sie in kurzem Ähnliches erdulden würden. Der König, dessen Galle erregt war, befiehlt dem Heere abzusteigen und im Fußkampfe mit den Feinden zu ringen. Schneller als Worte es auszudrücken vermögen, springen sie von den Pferden, brechen mit gegenseitigem Zurufe sich anfeuernd, in die Verschanzung der Feinde ein und, indem Gott vom Himmel herab ihnen Kraft verleiht, schlagen sie dieselben mit dem Schwerte bis zur Vernichtung und strecken sie so darnieder, daß aus der unzählbaren Menge kaum jemand übrig blieb, um der Flotte die Unglücksbotschaft zu überbringen. Nachdem Arnulf dies glücklich vollbracht, kehrt er nach Baiern zurück. In demselben Jahre wird der ehrwürdige Abt Hatto, der bis dahin der Vater vieler Mönche im Kloster Augia gewesen war, zum Metropolitan in der Mainzer Kirche geweiht.“

Am heutigen Tag im Jahr 983 ist unser alter deutscher Kaiser Otto II. zu Rom gestorben, der von 973 unser altes Reich regiert hat. Ein Geburtstag wäre mir zwar lieber zu seinem Gedenken gewesen, aber dieser ist uns leider unbekannt. Im Wesentlichen ging Otto II. den Weg seines Vaters, Ottos des Großen, weiter und das Anfangs durchaus erfolgreich. Die Angriffe der umliegenden Völkerschafteen wurden abgewehrt und die inneren Feinde niedergerungen – ganz so wie es also zuvor sein Großvater, Heinrich der Vogler, und sein Vater getan haben. Gegen Ende traten dann zwar mit der Niederlage bei Kroton und dem Aufstand der Slawen zwei schwere Rückschläge ein, aber wir dürfen gewiß sein, daß Otto II. diese wieder gut gemacht hätte, wenn ihn die Nornen hätten länger auf Erden verweilen lassen. In der Chronik des Thietmar von Merseburg lesen wir nun von der sehr löblichen Sitte der Ottonen, verzwickte Rechtsfragen durch den gerichtlichen Zweikampf, das Gottesurteil, entscheiden zu lassen:

„Graf Gero, von Waldo beim Kaiser verklagt, ward an einem Orte Namens Sömmeringen, auf Anhalten des Erzbischofs Adelbert (von Magdeburg) und des Markgrafen Dietrich verhaftet und meinem Vater und Oheim zur Bewachung übergeben. Darauf wurden sämtliche Fürsten des Reichs nach Magdeburg berufen, und jene beiden trafen vor denselben auf einer Insel zum Gottesgerichte im Zweikampfe zusammen. In demselben wurde Waldo zweimal im Nacken verwundet; er drang indes nur um so heftiger auf seinen Feind ein und streckte ihn, indem er ihm mit einem gewaltigen Streiche das Haupt traf, zu Boden. Darauf war Gero auf die Frage, die er an ihn richtete, ob er weiter kämpfen könne? genötigt zu bekennen, daß ihm die Kräfte fehlten. Nun verließ Waldo die Schranken, aber kaum hatte er die Waffen abgelegt und sich mit Wasser erfrischt, so stürzte er rücklings tot nieder. Darauf ward Gero nach dem Spruche der Richter und auf Befehl des Kaisers von Henkershand enthauptet, am 13. August. Dieser Zweikampf gefiel Niemanden, als nur dem Erzbischof Athlbert und dem Markgrafen Dietrich, und Otto, Herzog von Bayern, Liudulfs Sohn, der an demselben Tage ankam, so wie Graf Bertold machten dem Kaiser bittere Vorwürfe, daß ein solcher Mann, wie Gero, um eines so unbedeutenden Grundes willen verurteilt worden sei. Hier darf ich die Verdienste des Abtes Liudulf von Corvey nicht unerwähnt lassen, der ob seiner häufigen Übung im Wachen und Fasten von Gott mancher Offenbarung gewürdigt wurde. Als dieser am Tage des Kampfes in der Abenddämmerung demütig und andächtig, wie gewöhnlich, Messe las, sah er über dem Altare das Haupt des Grafen Gero, und sang nach Beendigung dieser Messe sogleich eine zweite, eine Totenmesse. Darauf legte er sein Priestergewand ab und verließ schweigend die Kirche, versammelte aber dann die Brüder, und zeigte ihnen Geros Tod an, indem er sie inständig bat, mit ihm zusammen für die Seele des Verstorbenen zu beten. Die Enthauptung Geros aber fand grade um Sonnenuntergang statt. Zu seinem Gedächtnis erbauten seine Schwester Tetta und seine Gemahlin Aethela ein Kloster an einem Orte, genannt Alsleben, wo er selbst ruht, und brachten Gott und dem heiligen Vorgänger Christi den zehnten Teil ihres Vermögens dar, indem sie für dasselbe vom Kaiser die Bestätigung und das Vorrecht in der Weise erwirkten, daß eine daselbst gestiftete reichsfreie Abtei nur unter des Kaisers und seiner Nachfolger Hoheit und Schuß stehen sollte. Übrigens ward des Grafen Körper noch nach drei Jahren, als der seiner Gemahlin hinzu gelegt ward, sowie die Kleidung vollständig erhalten vorgefunden. Im siebten Regierungsjahre Ottos II. kam König Lothar nebst seinem Sohne mit prächtigen Geschenken zu ihm, entschuldigte sich und erwarb nun des Kaisers dauernde Freundschaft. In diesem Jahre ging der Kaiser nach Italien, und sah leider unsere Gegenden niemals wieder.“

Im beschaulichen sächsischen Ort Leipnitz wurde 1849 unser Feldmarschall August von Mackensen geboren. Einer unserer großen deutschen Feldherren des Vierjährigen Krieges, der vor allem im Osten von sich reden gemacht hat. Von seiner Mitwirkung in den Schlachten von Tannenberg und an den Masurischen Seen haben wir schon gehört. Wir kommen daher nun zur Schlacht an der Weichsel, mit der unser Paul von Hindenburg eigentlich den Österreichern Hilfe bringen wollte, dann aber selbst auf deren Hilfe angewiesen war. In dieser Schlacht kämpfte unser Feldmarschall von Mackensen wieder mit seinem XVII. Armeekorps mit. Den ersten Teil der Schlacht lesen wir nun bei Hindenburg: https://archive.org/details/ausmeinemleben30695gut

„Wir hatten für das beste gehalten, unsere Armee in der Gegend von Kreuzburg in Mittelschlesien zu versammeln. Von dort glaubten wir größere Armfreiheit zum Operieren gegen die nördliche Flanke der russischen Heeresgruppe in Polen, deren Stellung zur Zeit allerdings nicht festgelegt war, zu besitzen. – „Unmöglich!“ Wir möchten, daß es unserer Armee gestattet wird, mit dem rechten Flügel über Kielce (Mitte Polens) vorzugehen. – „Unmöglich!“ Wir möchten, daß uns starke österreichisch-ungarische Kräfte nördlich der oberen Weichsel bis zur San-Mündung begleiten. – „Unmöglich!“ Wenn dieses Alles als unmöglich bezeichnet wird, so wird vielleicht die ganze Operation unmöglich sein oder werden. Wir versammeln also unsere Truppen (XI., XVII., XX., Garde-Reserve-Korps, Landwehr-Korps Woyrsch, XXXV. Reservedivision, Landwehrdivision Bredow und VIII. Kavalleriedivision) im von der Obersten Heeresleitung befohlenen engsten Anschluß an den linken österreichisch-ungarischen Heeresflügel nördlich Krakau. Unser Hauptquartier kommt vorübergehend nach Beuthen in Oberschlesien. Aus dem Aufmarschraum treten wir Ende September an, und zwar mit der Mitte, also nicht mit dem rechten Flügel der Armee, in Richtung über Kielce. Die österreichisch-ungarische Heeresleitung verschiebt von Krakau aus eine schwache Armee von nur 4 Infanteriedivisionen und 1 Kavalleriedivision nordwärts über die Weichsel. Mehr glaubt sie südlich des Flusses nicht entbehren zu können. Sie beabsichtigt dort selbst einen entscheidenden Angriff. Auch dieser Plan des Verbündeten ist kühn und macht seinem Urheber alle Ehre. Es fragt sich nur, ob Aussicht besteht, daß das stark geschwächte Heer trotz allem erhaltenen Ersatz die Durchführung ermöglicht. Meine Bedenken werden durch die Hoffnung gemildert, daß der Russe, sobald er das Auftreten unserer deutschen Truppen in Polen bemerkt, seine Hauptkräfte auf uns werfen wird und dadurch dem Verbündeten einen Erfolg ermöglicht. Das Bild, das wir uns bei Beginn unserer Bewegungen über die Lage machen können, ist unklar. Bestimmt wissen wir nur, daß die Russen den weichenden österreichisch-ungarischen Armeen in der letzten Zeit über den San hinaus nur zögernd gefolgt sind. Ferner sind Anzeichen dafür vorhanden, daß nördlich der Weichsel 6–7 russische Kavalleriedivisionen und Grenzschutzbrigaden in unbekannter Zahl stehen. Bei Iwangorod scheint eine russische Armee in Bildung begriffen zu sein. Die Truppen hierfür werden augenscheinlich teils aus den Armeen entnommen, die uns bei den früheren Operationen in Ostpreußen gegenüber standen, teils kommen neue Kräfte aus Russisch-Asien heran. Auch liegt Nachricht vor, daß westlich Warschau an einer großen Stellung mit Front nach Westen gebaut wird. Wir marschieren also in eine recht unsichere Lage hinein und müssen auf Überraschungen gefaßt sein. Wir betreten Russisch-Polen und lernen sofort die volle Bedeutung dessen kennen, was ein französischer General in seiner Beschreibung des von ihm miterlebten napoleonischen Feldzuges im Winter 1806 als besonderes Element der dortigen Kriegführung bezeichnet hat, nämlich – den Dreck! Und zwar den Dreck in jeder Form, nicht nur in der freien Natur, sondern auch in den sogenannten menschlichen Wohnungen und an deren Bewohnern selbst. Mit Überschreiten unserer Grenze waren wir geradezu in einer anderen Welt. Man legte sich unwillkürlich die Frage vor: wie ist es möglich, daß auf dem Boden Europas die Grenzsteine zwischen Posen und Polen solch scharfe Trennungslinien zwischen Kulturstufen des gleichen Volksstammes ziehen? In welch einem körperlichen, sittlichen und materiellen Elend hatte die russische Staatsverwaltung diese Landesteile gelassen, wie wenig hatte die Überfeinerung in den Kreisen der polnischen Großen zivilisatorische Kräfte in die niedergehaltenen unteren Schichten durchsickern lassen! Die offenkundige politische Gleichgültigkeit dieser Massen beispielsweise durch Einwirkung der Geistlichkeit in einen höheren Schwung zu bringen, der sich bis zu einem freiwilligen Kampfanschluß an uns hätte steigern lassen, schien mir schon nach den ersten Eindrücken fraglich. Unsere Bewegungen werden durch grundlose Wege aufs äußerste erschwert. Der Gegner bekommt Einblick in sie und trifft Gegenmaßregeln. Er zieht aus der Front den Österreichern gegenüber ein halbes Dutzend Armeekorps in der offenkundigen Absicht heraus, diese uns über die Weichsel südlich Iwangorod frontal entgegen zu werfen. Am 6. Oktober erreichen wir über Opatow-Radom die Weichsel. Was sich hier vom Gegner westlich des Flusses befunden hatte, war von uns zurückgetrieben worden. Nunmehr spricht sich jedoch eine Bedrohung unseres Nordflügels von Iwangorod-Warschau her aus. Unter diesen Umständen ist vorläufig eine Fortsetzung unserer Operation in östlicher Richtung über die Weichsel südlich Iwangorod hinweg unmöglich. Wir müssen zunächst mit dem Gegner im Norden abrechnen. Alles übrige hängt von dem Ausgange der dort zu erwartenden größeren Kämpfe ab. Ein eigenartiges strategisches Bild entwickelt sich. Während gegnerische Korps von Galizien aus jenseits der Weichsel Warschau zustreben, bewegen sich auch die unserigen diesseits des Stromes in der gleichen nördlichen Richtung. Um unseren Linksabmarsch aufzuhalten, wirft der Feind bei und unterhalb Iwangorod starke Kräfte über die Weichsel. Sie werden in erbitterten Kämpfen auf ihre Übergangsstellen zurückgeworfen; wir sind aber nicht imstande, den Gegner völlig vom Westufer zu vertreiben. Zwei Tagemärsche südlich Warschau trifft unser linker Flügel unter General von Mackensen auf überlegene feindliche Truppen und wirft sie gegen die Festung. Etwa einen Tagemarsch von der Fortlinie entfernt kommt jedoch unser Angriff ins Stocken. Auf dem Schlachtfeld südlich Warschau ist uns als wichtigstes Beutestück ein russischer Befehl in die Hände gefallen, der uns klaren Einblick in die Stärken des Gegners und in seine Absichten gibt. Von der Sanmündung bis Warschau haben wir es danach mit 4 russischen Armeen zu tun; das sind etwa 60 Divisionen gegenüber 18 auf unserer Seite. Aus Warschau heraus sind allein 14 feindliche Divisionen gegen 5 der unserigen angesetzt. Das sind etwa 224 russische Bataillone gegen 60 deutsche. Die gegnerische Überlegenheit erhöht sich noch dadurch, daß unsere Infanterie infolge der vorausgegangenen Kämpfe in Ostpreußen und Frankreich sowie durch die jetzigen langen und anstrengenden Märsche, bis über 300 km in 14 Tagen und auf grundlosen Wegen, auf kaum noch die Hälfte, ja teilweise bis unter ein Viertel der ursprünglichen Gefechtsstärke zusammengeschmolzen ist. Und diese Schwächung unserer Kampfkraft gegenüber neu eintreffenden, vollzähligen sibirischen Korps, Elitetruppen des Zarenreiches! Die Absicht des Gegners ist, uns längs der Weichsel zu fesseln, während ein entscheidender Stoß aus Warschau heraus uns dem Verderben entgegenführen soll. Ein zweifellos großer Plan des Großfürsten Nikolaij-Nikolaijewitsch, ja der größte, den ich von ihm kennen lernte, und der meines Erachtens auch sein größter blieb, bis er sich in den Kaukasus begeben mußte. War ich im Herbst 1897 auf dem Bahnhofe in Homburg vor der Höhe nach dem Kaisermanöver von dem Großfürsten in ein Gespräch gezogen worden, das sich besonders um die Verwendung der Artillerie drehte, so trat ich dem russischen Oberfeldherrn jetzt in Polen zum ersten Male in praxi unmittelbar gegenüber, denn in Ostpreußen schien er nur vorübergehend als Zuschauer geweilt zu haben. Gelingt seine Operation, so droht nicht nur für die IX. Armee, sondern für die ganze Ostfront, für Schlesien, ja für die ganze Heimat eine Katastrophe. Doch wir dürfen jetzt nicht so schwarzen Gedanken nachgehen, sondern müssen Mittel und Wege finden, die drohende Gefahr abzuwehren. Wir entschließen uns daher dazu, unter Festhaltung der Weichsellinie von Iwangorod südwärts alle dort noch freizumachenden Kräfte unserem linken Flügel zuzuführen und uns mit diesem auf den Gegner südlich von Warschau in der Hoffnung zu werfen, ihn zu schlagen, bevor neue Massen dort erscheinen können. Eile tut not! Wir bitten daher Österreich-Ungarn, alles, was es an Truppen frei hat, sofort links der Weichsel gegen Warschau zu lenken. Das k. und k. Armee-Oberkommando zeigt für die Lage durchaus richtiges Verständnis, erhebt jedoch zugleich Bedenken, die gerade dieser Lage wenig entsprechen. Österreich-Ungarn, zu dessen Hilfe wir herangeeilt sind, ist bereit, uns zu unterstützen, aber nur auf dem langsamen und daher zeitraubenden Wege einer Ablösung unserer an der Weichsellinie zurückgelassenen Truppen. Dadurch wird freilich eine Vermischung deutscher und österreichisch-ungarischer Verbände vermieden, aber man bringt die ganze Operation in die Gefahr des Mißlingens. Gegenvorstellungen unsererseits führen zu keinem Ergebnis. So fügen wir uns denn den Wünschen unserer Verbündeten.“

Friedrich der Große schlug am heutigen Tag im Jahre 1757 die berühmte Schlacht von Leuthen, in welcher er mit seinen 33,000 Preußen um die 80,000 Österreicher vernichtend geschlagen hat und in der Folge sein geliebtes Schlesien wieder in Besitz nehmen konnte. Mit Hilfe seiner schiefen Schlachtordnung, also der Legung des Schwerpunktes auf seinen rechten Flügel, fügte Friedrich der Große den Österreichern eine wahrhaft vernichtende Niederlage zu. Ein großer Sieg unserer alten Preußen, den wir mit unserem altdeutschen Panzergetränk Met feiern wollen. Dazu lesen wir aus dem Schlachtbericht Friedrichs des Großen den Verlauf der Schlacht: http://friedrich.uni-trier.de/de/volz/3/uc_p1/

„Der Plan des Königs, zu dessen Ausführung man jetzt schritt, war folgender. Die ganze preußische Armee sollte die linke Flanke des kaiserlichen Heeres angreifen. Den Hauptstoß sollte der rechte Flügel ausführen, während der linke dem Feinde mit so viel Vorsicht versagt werden sollte, daß Fehler wie bei Prag und bei Kolin (wo sie die Niederlage verschuldet hatten) nicht wieder begangen werden konnten. Wedell, der mit seinen 10 Vorhutnbataillonen zum ersten Angriff bestimmt war, hatte sich bereits an die Spitze der Armee gesetzt, und die Spitzen der Kolonnen hatten unbemerkt vom Feinde das Schweidnitzer Wasser erreicht. Feldmarschall Daun hielt den Marsch der Preußen für einen Rückzug und sagte zum Prinzen von Lothringen: „Die guten Leute paschen ab. Lassen wir sie in Frieden ziehen!“ Inzwischen hatte Wedell sich vor den beiden Infanterietreffen des rechten Flügels formiert. Sein Angriff wurde durch eine Batterie von 20 Zwölfpfündern unterstützt, die der König von den Wällen von Glogau genommen hatte. Das erste Treffen erhielt Befehl, in Bataillonsstaffeln vorzurücken, jedes Bataillon mit 50 Schritt Abstand hinter dem andern, sodaß der äußerste rechte Flügel beim Vorrücken der Schlachtfront dem Ende des linken Flügels um 1000 Schritt voraus war. Bei dieser Anordnung konnte der linke Flügel unmöglich ohne Befehl in den Kampf eingreifen. Nun stürmte Wedell gegen den Kiefernberg an, auf dem Nadasdy stand. Er stieß auf keinen großen Widerstand und nahm ihn ziemlich schnell. Als sich die österreichischen Generale umgangen und in der Flanke gefaßt sahen, suchten sie eine neue Front zu formieren und sich den Preußen parallel zu stellen. Doch zu spät! Die ganze Kunst der preußischen Generale bestand darin, dem Feinde keine Zeit zur Veränderung seiner Stellung zu lassen. Schon richteten sich die Preußen auf einer Anhöhe ein, die das Dorf Leuthen beherrscht. In dem Augenblick, wo der Feind sie mit Infanterie besetzen wollte, wurde er von einer zweiten Batterie von 20 Zwölfpfündern so zur rechten Zeit mit Feuer überschüttet, daß er die Lust verlor und sich zurückzog. Dort, wo Wedell angriff, bemächtigten sich die Österreicher eines Hügels nahe dem Bach, damit er ihre Linie nicht in der ganzen Länge bestreichen konnte. Der aber duldete sie nicht lange dort. Nach einem Kampfe, der länger und hartnäckiger war als der erste, warf er den Feind zurück. Zugleich griff Zieten die feindliche Kavallerie an und schlug sie in die Flucht. Einige Schwadronen seines rechten Flügels bekamen dabei in die Flanke eine Kartätschensalve aus dem Buschwerk am Bachufer. Das unerwartete Feuer trieb sie zurück. Sie formierten sich wieder neben der Infanterie. Nun meldeten die zur Beobachtung des rechten österreichischen Flügels abgesandten Offiziere dem König, daß dieser Flügel sich durch das Gehölz bei Lissa ziehe und unverzüglich in der Ebene auftauchen müsse. Daraufhin erhielt Driesen Befehl, mit dem linken preußischen Kavallerieflügel vorzugehen. Als die österreichischen Kürassiere sich bei Leuthen zu formieren begannen, wurden sie von der Batterie im Zentrum der preußischen Armee mit heftigem Artilleriefeuer begrüßt. Zugleich griff Driesen sie an. Der Kampf war kurz. Die Kaiserlichen wurden zerstreut und flohen Hals über Kopf. Ein Infanterietreffen, das sich neben den Kürassieren hinter Leuthen aufgestellt hatte, wurde von den Bayreuth-Dragonern in der Flanke angegriffen und auf die Freibataillone Angelellis geworfen. Zwei ganze Regimenter mit Offizieren und Fahnen wurden gefangen genommen. Als nun die feindliche Kavallerie so vollständig zersprengt war, ließ der König das Zentrum seiner Infanterie auf Leuthen vorrücken. Das Gefecht war lebhaft, aber kurz, da die österreichische Infanterie zerstreut zwischen Häusern und Gärten stand. Als die Preußen aus dem Dorf heraustraten, erblickten sie eine neue Infanterielinie, die die österreichischen Generale auf der Windmühlenhöhe aufgestellt hatten. Eine Weile hatten die Preußen unter ihrem Feuer zu leiden. Aber der Feind hatte in der allgemeinen Verwirrung nicht gemerkt, daß Wedell ihnen ganz nahe war. Unvermutet fiel der tapfere und geschickte General ihnen in die Flanke und in den Rücken. Dies glänzende Manöver entschied den Sieg und endigte den großen Tag.“

Der große Geschichtsgelehrte Theodor Mommsen hat heute Geburtstag und so wollen wir dessen römische Geschichte aus dem Regel nehmen und ein wenig darin lesen – zur Feier des Tages. Dessen Abhandlung über den Sturz des altrömischen Freistaates hat es mir angetan. Uns getreuen Deutschen ergeht es im lichtlosen Dunkel der amerikanischen Fremdherrschaft nämlich ähnlich wie den Anhängern des Freistaates im alten Rom nach der Schlacht von Pharsalos: http://www.zeno.org/Geschichte/M/Mommsen,+Theodor/R%C3%B6mische+Geschichte/Dritter+Band/F%C3%BCnftes+Buch.+Die+Begr%C3%BCndung+der+Milit%C3%A4rmonarchie

„Ebenso wie die Klientelgemeinden sich dem Sieger von Pharsalos unterwarfen, kam auch der Schweif der Verfassungspartei, alle, die mit halbem Herzen mitgemacht hatten oder gar, wie Marcus Cicero und seinesgleichen, nur um die Aristokratie herumtrippelten wie die Halbhexen um den Blocksberg, herbei, um mit dem neuen Alleinherrscher ihren Frieden zu machen, den denn auch dessen geringschätzige Nachsicht den Bittstellern bereitwillig und höflich gewährte. Aber der Kern der geschlagenen Partei transigierte nicht. Mit der Aristokratie war es vorbei; aber die Aristokraten konnten doch sich nimmermehr zur Monarchie bekehren. Auch die höchsten Offenbarungen der Menschheit sind vergänglich; die einmal wahre Religion kann zur Lüge, die einst segenhafte Staatsordnung zum Fluche werden; aber selbst das vergangene Evangelium noch findet Bekenner, und wenn solcher Glaube nicht Berge versetzen kann wie der Glaube an die lebendige Wahrheit, so bleibt er doch sich selber bis zu seinem Untergange treu und weicht aus dem Reiche der Lebendigen nicht, bevor er seine letzten Priester und seine letzten Bürger sich nachgezogen hat und ein neues Geschlecht, von jenen Schemen des Gewesenen und Verwesenden befreit, über die verjüngte Welt regiert. So war es in Rom. In welchen Abgrund der Entartung auch jetzt das aristokratische Regiment versunken war, es war einst ein großartiges politisches System gewesen; das heilige Feuer, durch das Italien erobert und Hannibal besiegt worden war, glühte, wie getrübt und verdumpft, dennoch fort in dem römischen Adel, solange es einen solchen gab, und machte eine innerliche Verständigung zwischen den Männern des alten Regiments und dem neuen Monarchen unmöglich. Ein großer Teil der Verfassungspartei fügte sich wenigstens äußerlich und erkannte die Monarchie insofern an, als sie von Caesar Gnade annahmen und soweit möglich, sich ins Privatleben zurückzogen; was freilich regelmäßig nicht ohne den Hintergedanken geschah, sich damit auf einen künftigen Umschwung der Dinge aufzusparen. Vorzugsweise taten dies die minder namhaften Parteigenossen; doch zählte auch der tüchtige Marcus Marcellus, derselbe, der den Bruch mit Caesar herbeigeführt hatte, zu diesen Verständigen und verbannte sich freiwillig nach Lesbos. Aber in der Majorität der echten Aristokratie war die Leidenschaft mächtiger als die kühle Überlegung; wobei freilich auch Selbsttäuschungen über den noch möglichen Erfolg und Besorgnisse vor der unvermeidlichen Rache des Siegers mannigfaltig mitwirkten. Keiner wohl beurteilte mit so schmerzlicher Klarheit und so frei von Furcht wie von Hoffnung für sich die Lage der Dinge wie Marcus Cato. Vollkommen überzeugt, daß nach den Tagen von Ilerda und Pharsalos die Monarchie unvermeidlich sei, und sittlich fest genug, um auch diese bittere Wahrheit sich einzugestehen und danach zu handeln, schwankte er einen Augenblick, ob die Verfassungspartei den Krieg überhaupt noch fortsetzen dürfe, der notwendig für eine verlorene Sache vielen Opfer zumutete, die nicht wußten, wofür sie sie brachten. Aber wenn er sich entschloß, weiter gegen die Monarchie zu kämpfen, nicht um den Sieg, sondern um rascheren und ehrenvolleren Untergang, so suchte er doch soweit möglich in diesen Krieg keinen hineinzuziehen, der den Untergang der Republik überleben und mit der Monarchie sich abfinden mochte. Solange die Republik nur bedroht gewesen, meinte er, habe man das Recht und die Pflicht gehabt, auch den lauen und schlechten Bürger zur Teilnahme an dem Kampfe zu zwingen; aber jetzt sei es sinnlos und grausam, den einzelnen zu nötigen, daß er mit der verlorenen Republik sich zugrunde richte. Nicht bloß entließ er selbst jeden, der nach Italien heimzukehren begehrte; als der wildeste unter den wilden Parteimännern, Gnaeus Pompeius der Sohn, auf die Hinrichtung dieser Leute, namentlich des Cicero drang, war es einzig Cato, der sie durch seine sittliche Autorität verhinderte.“

Unser Feldmarschall Albert Kesselring erblickte heute (1885) in Marktsteft im Frankenland das Licht der Welt. In Erinnerung dürfte er vor allem als Feldherr in Italien geblieben sein, wo er mit 20 Divisionen zähen Widerstand gegen die überlegenen Horden der Engländer und Amerikaner geleistet hat. Davor nahm er jedoch als Luftflottenbefehlshaber an unseren Feldzügen gegen Polen, Gallien, England, Rußland und in Nordafrika teil und das meist mit glänzendem Erfolg. Besonders die Niederwerfung Galliens in nur sechs Wochen gehört zu den Glanztaten unseres letzten deutschen Heeres. Daher sehen wir uns nun den Dokumentarfilm über unseren Sieg im Westen auch zur Feier des Tages an: https://archive.org/details/1941-Sieg-im-Westen – Dazu erläutert uns unser Panzerstratege Erich von Manstein noch seinen Sichelschnittplan, mit dem wir Deutschen Gallien damals zu Fall gebracht haben:

„I. Das Ziel der Westoffensive müsse die Herbeiführung der Entscheidung zu Lande sein. Das Anstreben von Teilzielen, wie sie in den Aufmarschanweisungen des OKH niedergelegt seien, rechtfertige weder den politischen (Verletzung der Neutralität dreier Länder) noch den militärischen Einsatz. Die Angriffskraft des deutschen Heeres sei schließlich auf dem Festland für uns der entscheidende Faktor. Sie für Teilziele zu brauchen, sei nicht angängig, schon im Hinblick auf die Sowjetunion. II. Der Schwerpunkt unserer Angriffsoperation müsse bei der Heeresgruppe A, nicht bei der Heeresgruppe B liegen. Der vorgesehene Stoß der Heeresgruppe B träfe den auf ihn vorbereiteten Gegner mehr oder weniger frontal. Er würde wohl zu einem Anfangserfolg führen, aber unter Umständen an der Somme versanden. Die wirkliche Chance liege bei der Heeresgruppe A durch einen den Gegner überraschenden Vorstoß durch die Ardennen (wo er den Einsatz vom Panzerkräften des Geländes wegen sicher nicht erwartete) in Richtung auf die untere Somme, um die nach Belgien hereingeworfenen Feindkräfte vorwärts der Somme abzuschneiden. Allein auf diese Weise sei eine Vernichtung des ganzen feindlichen Nordflügels in Belgien als Vorbedingung für das Erreichen einer endgültigen Entscheidung in Frankreich zu erhoffen. III. Wie die Hauptchance, so liege aber auch die Hauptgefahr für die deutsche Offensive bei der Heeresgruppe A. Handele der Gegner richtig, so würde er versuchen, einer ungünstigen Entscheidung in Belgien auszuweichen, gegebenenfalls unter Zurückgehen hinter die Somme. Zugleich würde er alle verfügbaren Kräfte zu einer Gegenoffensive großen Stils gegen unsere Südflanke bereitstellen mit dem Ziel, die Masse des deutschen Heeres in Belgien beziehungsweise vorwärts des Niederrheins einzukesseln. Wenn man der französischen Führung eine so kühne Lösung vielleicht auch nicht zutraue und wenn sich ihre Verbündeten einer solchen sicherlich widersetzen würden, so sei sie nicht ausgeschlossen. Zum mindesten aber würde es dem Gegner, falls unsere Offensive durch Nordbelgien an der unteren Somme zum Stehen komme, gelingen mit seinen Reserven eine geschlossene Abwehrfront herzustellen. Sie könnte am Nordwestende der Maginot-Linie ostwärts Sedan ansetzen und unter Ausnutzung der Aisne und Somme bis an den Kanal reichen. Um dies zu verhindern, komme es darauf an, einen Aufmarsch feindlicher Kräfte in unserer Südflanke etwa beiderseits der Maas oder zwischen Maas und Oise schon in seiner Entstehung zu zerschlagen. Der Zusammenhang der feindlichen Front müsse in diesem Gebiet von vornherein zerrissen werden, um später eine Möglichkeit zu haben, die Maginotlinie zu umgehen. Die Heeresgruppe A, bei der der Schwerpunkt der Gesamtoperation liegen müsse – auch wenn aus Raumgründen zunächst vielleicht bei Heeresgruppe B mehr Divisionen eingesetzt werden könnten – müsse statt zwei Armeen deren drei erhalten. Eine Armee müsse wie vorgesehen durch Südbelgien über die Maas, dann aber weiter in Richtung auf die untere Somme vorstoßen, um den Feindkräften vor der Heeresgruppe B in den Rücken zu gehen. Ein weitere Armee müsse nach Südwesten angesetzt werden, mit der Aufgabe, offensiv jede Versammlung von Feindkräften zu einem Gegenangriff gegen unsere Südflanke im Gebiet westlich der Maas zu zerschlagen. Eine dritte Armee habe wie vorgesehen nördlich der Maginotlinie Sierck – Mouzon (ostwärts Sedan) in der Abwehr die tiefe Flanke der Gesamtoperation zu decken. Im Sinne der Verlegung des Schwerpunkts der Operation von Heeresgruppe B zu Heeresgruppe A wurden gefordert: Eine weitere Armee (die aus Raumgründen erst im Verlauf des Fortschreitens unserer Offensive eingegeben werden könne, aber von vornherein zur Verfügung stehen müsse) und starke Panzerkräfte.“

Damit der verwegene Schlachtplan auch gelingt, sieht unser Feldmarschall Kesselring nun – in seinem Panzerbuch „Soldat bis zum letzten Tag“ – bei seinen Truppen noch nach dem Rechten:

Beim VIII. Fliegerkorps stellte ich das denkbar beste Einvernehmen mit der VI. Armee und dem Panzerkorps Hoepner fest, das mir auch gelegentlich eines späteren Besuchs beim Armeeoberkommando VI bestätigt wurde. Chef des Stabes dieser Armee war General Paulus, dessen Name durch die Schlacht von Stalingrad bekannt wurde und der mir durch seine Ruhe und nüchterne Darstellung der Lage einen besonders guten Eindruck machte. Da er mit einem temperamentvollen Oberbefehlshaber, Generaloberst von Reichenau, zusammengespannt war, konnte es hier nicht schlecht gehen. Das IV. Fliegerkorps war schwerpunktmäßig für die Fernaufgaben vorgesehen; ihm oblag die Fernunterstützung des Luftlandekorps, die Niederkämpfung der feindlichen Fliegerbodenorganisation und die Überwachung und Bekämpfung der feindlichen Bewegungen im Hinterland mit Schwerpunkt und Blickrichtung links gegen Frankreich. Das IX. Fliegerkorps war noch im Aufbau und in der Luftminenausbildung; mit seinem kriegsmäßigen Einsatz konnte man Ende April, Anfang Mai 1940 rechnen. Die Luftflottenfernaufklärungsgruppe (F. CXXII) wurde bereits jetzt durch Aufklärungsflüge über See usw. in ihre zukünftige Aufgabe eingeführt; sie war hochwertig und brachte brauchbare Ergebnisse. Die Verluste waren erträglich, wenn auch sehr bedauerlich. Beim Luftlandekorps (VII. Fliegerdivision, XXII. Infanteriedivision, Lufttransportverbände, Lastensegler und so weiter) war die operative und taktische Linie für das Luftlandeunternehmen durch Hitler bis ins Einzelne festgelegt; General Student bereitete das Unternehmen auf das gründlichste und ideenreichste vor. In der mühevollen Entwicklungsarbeit auf technischem und taktischem Gebiet wurde er von den einzelnen besonders gut beanlagten Truppenoffizieren (Hauptmann Koch, Leutnant Witzig und so weiter) vorbildlich unterstützt. Wenn ich auch kein Neuling im Luftlandeeinsatz war, so gab es für mich doch allerhand Neues zu lernen, bis ich mich mit Anregungen technisch-taktischer Art hervorwagte. Bei den rein taktischen Überlegungen und Befehlen konnte ich schon eher mitreden; ich konnte zu meiner Freude feststellen, daß Generalmajor Graf von Sponeck, der Kommandeur der XXII. Infanteriedivision, die als Luftlandedivision ausgebildet war, eine einsichtsvolle, energische und wendige Führerpersönlichkeit war, die auch den fliegerischen Eigenheiten eines derartigen Unternehmens das notwendige Verständnis entgegenbrachte. (Graf Sponeck wurde wegen des selbständigen befehlswidrigen Rückzugs von der Krim vor ein Kriegsgericht gestellt und am Schluß des Krieges – soweit ich weiß, in einer Panikstimmung auf Grund eines summarischen Befehls Himmlers oder Hitlers – in Germersheim erschossen.) General Osterkamp, bewährter „Weltkriegsadler“, hatte die Aufgabe, seine Jagdflieger im Gefechtsflug zu fördern und die Ju-Landegeschwader in der Bewegung und beim Landen zu sichern. Auch dies war Neuland, das fliegerisches Können, Organisationsbefähigung, guten taktischen Blick und beste Verbindungen im dreidimensionalen Raum verlangte. Das II. Flakkorps hatte noch mit den Nachwehen einer überstürzten Aufstellung zu kämpfen. General Deßloch, ein alter Kavallerist und Flieger, hatte genug Erfahrungen im Landkrieg gesammelt, um die flakartilleristischen Belange mit den Zwecken des Heeres abstimmen zu können. Schwierigkeiten machte die Eingliederung der Flakverbände in die einzelnen Marschkolonnen; kein Heeresführer wollte seinen Verband zerreißen lassen, keiner hinter der Flak marschieren, jeder wollte aber rechtzeitig die Flakunterstützung auf der Erde und in der Luft haben. Hier mußte ich selbst eingreifen und Kompromisse sch1ießen, die nicht immer befriedigten, sich auch in einzelnen Fällen nachteilig zeigten.“

In einer Gesteinsschicht sind Kristalle eines Minerals eingeschlossen. Es entstehen Spalten und Risse; Wasser sickert herab und wäscht allmählich die Kristalle aus, so daß nur ihre Hohlform übrig bleibt. Später treten vulkanische Ereignisse ein, welche das Gebirge sprengen; glühende Massen quellen herein, erstarren und kristallisieren ebenfalls aus. Aber es steht ihnen nicht frei, es in ihrer eigenen Form zu tun; sie müssen die vorhandenen ausfüllen und so entstehen gefälschte Formen, Kristalle, deren innere Struktur dem äußeren Bau widerspricht, eine Gesteinsart in der Erscheinungsweise einer fremden. Dies wird von den Mineralogen Pseudomorphose genannt. Historische Pseudomorphosen nenne ich Fälle, in welchen eine fremde alte Kultur so mächtig über dem Lande hegt, daß eine junge, die hier zu Hause ist, nicht zu Atem kommt und nicht nur zu keiner Bildung reiner, eigener Ausdrucksformen, sondern nicht ein mal zur vollen Entfaltung ihres Selbstbewußtseins gelangt. Alles was aus der Tiefe eines frühen Seelentums emporsteigt, wird in die Hohlformen des fremden Lebens ergossen; junge Gefühle erstarren in ältlichen Werken und statt des Sichaufreckens in eigener Gestaltungskraft wächst nur der Haß gegen die ferne Gewalt zur Riesengröße.“ – Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes

Diese Worte sollte man immer bedenken, bevor man den Stab über die religiösen Naturen des Abendlands bricht. Ausgehend von den Skizzen Cäsars und Tacitus‘ über unsere altdeutsche Religion und der isländischen Edda, wäre hier wohl eine reiche Ernte einzufahren gewesen. Eine Ernte, die nicht gänzlich verloren ist, wenn man vermag das abendländische (deutsche) Wesen in der falschen morgenländischen Gestalt zu finden. So wollen wir es auch bei unserem Martin Luther halten und dessen Geburtstag trotzdem feiern. Namentlich seine Wahrheitsliebe ist hoch zu schätzen. Geboren wurde er in Eisleben im Jahre 1483 und nachdem er Mönch geworden war, erregten die Sittenlosigkeit und Weltlichkeit der Kirche seinen Zorn. Daher begann er 1517 in Wittenberg seine Reformation, welche namentlich von Ludendorff, Hegel und Fichte sehr wohlwollend beurteilt wird. Luther brach mit der Ehelosigkeit der Geistlichkeit und nahm 1525 Katharina von Bora zur Frau, mit der er sechs Kinder zeugte. Zu Luthers Reformation macht sich Hegel nun noch ein paar Gedanken:

Was den Gegensatz im Inhalt der Religion, im religiösen Bewußtsein anbetrifft, so hat er viele Gestalten; es ist jedoch hier nur an das Innerste zu erinnern. Einerseits ist die Idee von Gott, andererseits was von ihm gewußt, erkannt wird, daß er die Dreieinigkeit ist; das Andere ist der Kultus, d.h. der Prozeß der Individuen, sich dem Geist, dem Gott angemessen zu machen, die Gewißheit davon zu haben, in das Reich Gottes einzugehen. Eine fertige Kirche ist eine Wirklichkeit des Reichs Gottes auf Erden, so daß dieses für jeden Menschen Gegenwart hat, jeder darin lebt und leben soll. In diese Anstalt fällt die Versöhnung eines jeden Individuums; dadurch wird es Bürger dieses Reichs und erhält Anteil am Genuß dieser Gewißheit. Diese Versöhnung ist nun aber daran geknüpft, daß in Christo die Einheit der göttlichen und menschlichen Natur angeschaut wird, – wie der Geist Gottes im Menschen sein soll. Dieser Christus darf also nicht sein als ein gewesener und das Leben der Versöhnung nicht als eine Erinnerung an den Vergangenen; sondern wie die Frommen im Himmel Christum schauen, so soll auch auf Erden Christus ein Gegenstand sein, der ebenso geschaut werden kann. Sodann soll dieser Prozeß vorhanden sein, daß das Individuum mit diesem ihm Gegenständlichen vereint, dieses mit ihm identisch wird. Das Vermittelnde im Kultus ist vorhanden, es wird vollbracht, am Individuum vollbracht in dem höchsten Punkt, der die Messe heißt; da ist das Verhältnis zum Vermittelnden als zum Objektiven, dies soll genossen werden von dem Individuum, daß es dessen teilhaftig wird. Und dies Objektive ist es, was als Hostie und als Genuß derselben in der Messe immer noch vorhanden ist. Diese Hostie gilt einerseits, als Hostie, als gegenständlich, für das Göttliche; andererseits ist sie der Gestalt nach ein ungeistiges, äußerliches Ding. Das ist aber der tiefste Punkt der Äußerlichkeit in der Kirche; denn vor dem Ding in dieser vollkommenen Äußerlichkeit muß das Knie gebeugt werden, nicht sofern es Gegenstand des Genusses ist. Luther hat diese Weise verändert; er hat den mystischen Punkt beibehalten in dem, was das Abendmahl genannt wird, daß das Subjekt in sich empfängt das Göttliche, – aber daß es nur insofern göttlich ist, als es genossen wird im Glauben, insofern es im Glauben und im Genuß aufhört, ein äußerliches Ding zu sein. Dieser Glaube und Genuß ist erst die subjektive Geistigkeit; und sofern es in dieser ist, ist es geistig, nicht indes es ein äußerliches Ding bleibt. In der Kirche des Mittelalters, in der katholischen Kirche überhaupt ist die Hostie auch verehrt als äußerliches Ding, so daß, wenn eine Maus eine Hostie frißt, sie und ihre Exkremente zu verehren sind; da hat denn das Göttliche vollkommen die Gestalt der Äußerlichkeit. Dies ist der Mittelpunkt des ungeheuren Gegensatzes, der einerseits aufgelöst ist, andererseits im vollkommenen Widerspruch bleibt so daß die Hostie noch als bloß äußerliches Ding festgehalten und doch dies Hohe, Absolute sein soll. Mit dieser Äußerlichkeit ist verbunden die andere Seite, das Bewußtsein über dies Verhältnis; da ist denn das Bewußtsein des Geistigen, dessen, was die Wahrheit ist, im Besitz einer Priesterschaft. So als Ding ist es natürlich auch im Besitz eines Anderen, von welchem es, da es ein Ausgezeichnetes ist, diese Auszeichnung zu erhalten hat, von dem es geweiht werden muß, – auch nur eine äußerliche Handlung von Individuen. Dem Dinge diese Auszeichnung zu geben, das ist im Besitze der Kirche; von ihr empfangen es die Laien. – Ferner sind die Individuen im Reiche Gottes; diese Geschichte Christi, daß Gott sich als Mensch erweist, sich aufopfert und durch diese Aufopferung sich zur Rechten Gottes erhebt, ist immer im Meßopfer vorhanden.“

Vom Feind und seinen Lügen heißt eine kleine, aber sehr lehrreiche Schrift unseres Luthers, auf die hier ausdrücklich verwiesen sei: https://archive.org/details/VonDenJudenUndIhrenLuegen